Ein Comic-Heft namens „Kung-Fu“ und dessen Folgen

Wie das Comic „Kung-Fu“ mein Leben beeinflusste

Wieso ich heute ein Kampfsportportal betreibe, hat mehrere Gründe und ist nicht dem heutigen Hype um MMA geschuldet. Alles begann bei mir aus Liebe zu den asiatischen Kampfkünsten, also nicht nur alleine wegen Boxen oder Muhammad Ali, wie manche denken. Man muss wissen, als ich noch ein Kind war, also lange vor dem Internet, Kabelfernsehen und bevor der erste Heimvideorekorder auf den Markt kam, musste man sich als Fan von fernöstlichen Kampfkünsten oft mit Comicheften behelfen. Eine beliebte Comic-Reihe war das Heft „Kung-Fu“.

Gleichnamige Serie Kung-Fu

Die Heftserie wurde im Zusammenhang mit der gleichnamigen TV-Serie mit David Carradine vom Bastei-Verlag herausgebracht. Ich liebte die Comics, denn sie enthielten nicht nur tolle Geschichten, sondern sinnvolle Lebensweisheiten, Trainingstipps und große Reportagen meiner Vorbilder Ti Lung, Wang Yu, Alexander Fu Cheng und natürlich Bruce Lee und vielen anderen Stars der damaligen Zeit. Viele der Tipps versuchte ich nachzumachen und die Weisheiten zu befolgen.

Die TV-Serie mochte ich als Kind ebenfalls sehr. Sie war Mitte der siebziger Jahre ein echter Straßenfeger gewesen. Heute sehe ich sie mit gemischten Gefühlen.

Idee für die Serie kam eigentlich von Bruce Lee

Die TV-Serie soll einem Gerücht zufolge eigentlich Bruce Lees Gedanken entstammen, der unter dem Titel “The Warrior“ den späteren Produzenten der Serie seine Idee vorgestellt hatte. Eine Story, die ich nach einigen Recherchen auch glaube und die von vielen Zeitzeugen als wahr bezeichnet wird. Doch die Produzenten der Serie bestreiten dies. Allerdings weiß man auch, dass der Regisseur von Kung-Fu, Jerry Thorpe, sich Bruce Lee als Besetzung für die Hauptrolle von „Kung-Fu“ gewünscht hatte. Nach einem Interview mit dem damals noch unbekannten Kampfsportler entschieden sich die Produzenten gegen ihn. Der Grund ist heute für mich unerklärlich, nein sogar unmenschlich. Der Akzent soll gegen die Martial Arts Legende gesprochen haben. Mit anderen Worten bedeutet das, dass man für die Rolle eines Chinesen keinen chinesischen Akzent haben durfte.

Kampf um die neuste Ausgabe

Gut, von alledem wusste man als Kind und Jugendlicher nichts und war einfach froh, wenn man ohne Verzögerung an sein Heft kam. Das war damals sehr sehr schwierig, da ich natürlich kein eigenes Einkommen hatte und als Gastarbeiterkind bei meinen Eltern auf taube Ohren stieß, wenn ich das Wort Comicheft in den Mund nahm. Also habe ich, eigentlich eher ein ruhiges Kind, immer kurz nach dem Erscheinungstag von Kung-Fu, einen riesigen Wirbel gemacht, wenn wir am Kiosk vorbeikamen. Tränen und Gejammer waren die harmloseren Dinge, die ich da veranstaltete, um meinen Willen durchzusetzen. Meine arme entnervte Mutter gab nicht immer nach, aber hin und wieder konnte ich ihr Herz doch erweichen.

Ich las das Objekt meiner Begierde nicht einmal, sondern so oft, dass ich jedes Wort darin auswendig konnte. In den späteren Jahren nahm ich manche Hefte auch mit in die Schule, wo ich als Besitzer von „Kung-Fu“ als verwegen galt. Ich hatte wahrscheinlich um die 60 bis 80 Hefte in den Jahren gesammelt.

Die Ursache für GFN

Irgendwann, als ich älter wurde und meine Interessen sich mangels Möglichkeiten, echten Kampfsport zu betreiben, verstärkt dem Fußball und Basketball zu wandten, verschwanden die Hefte neben großen Stapeln anderer Comics im Keller. Letztendlich landeten sie später im Sperrmüll oder ich verschenkte sie an Kinder, die aber damit nichts mehr anfangen konnten. Heute bereue ich sehr, dass ich die Sammlung nicht weiter aufbewahrt habe, denn sie sind für mich letztendlich die Ursache, warum ich mit Herz und Leidenschaft das Kampfsportportal German Fight News betreibe und sind ein Teil meines Lebens.

Aber, der Kreis schließt sich langsam. Denn beim Stöbern auf Ebay habe ich nun 40 Hefte ersteigert und damit wieder einen Kult aus meiner Kindheit zurückgeholt. Mal sehen, vielleicht entspringen daraus einige spannende Storys…

Attila Revada

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