MMA-INSIDE: Interview mit UFC Legende Bas Rutten

GFN Redakteur Remo Kelm konnte vor geraumer Zeit für MMA-Inside mit der UFC und Hall of Fame Legende Bas Rutten reden. Heraus kam ein sehr spannendes und vor allem sehr sympatisches Interview.  

Jetzt aber viel Spaß beim Interview.

Also, Bas, lass uns zunächst auf deine Pancrase-Zeit zurückblicken. Wie kam es eigentlich, dass du ausgerechnet in Japan kämpfen wolltest?

Bas Rutten: Ich wusste erst gar nicht, dass es in Japan war. Als Chris Dolman mich drauf ansprach, erzählte er mir vom „Free Fighting“ (so hieß es damals) und erklärte mir, worum es ging und dass ich dafür bezahlt werde. Ich sagte: „Ich bin dabei! Wo muss ich unterschreiben?“. Dann rief er mich eines Tages an und sagte, ich müsse nach Amsterdam kommen, weil dort zwei Leute aus Japan waren (Funaki und Suzuki) und Kämpfer (für Pancrase) suchen würden. Und da war dieser Typ von Rings (von der Organisation RINGS) und versuchte, mich KO zu schlagen. Also knockte ich ihn mit einem high kick aus und er musste am Kopf genäht werden. Suzuku und Funaki zeigten auf mich und sagten: „Wir wollen ihn.“ 2 Monate später hatte ich meinen ersten Kampf – ich gewann durch KO in 43 Sekunden, die mein Leben veränderten.

Du hast zweimal bei Pancrase gegen Ken Shamrock gekämpft. Shamrock war seinerzeit auch in der UFC erfolgreich. Hast du damals bereits mit dem Gedanken gespielt, wie er in der UFC zu kämpfen?

Bas Rutten: Ja, ich wollte schon immer in die UFC gehen, da ich die Einmarschmusik mochte und mal zu ihr in die Halle kommen wollte.

Wo wir gerade über Ken Shamrock sprechen – war ER für dich der Hauptkonkurrent? Und was denkst du über ihn als Person und als Sportler?

Bas Rutten: Wir waren immer Freunde. Ich wollte nochmal gegen ihn kämpfen, als er zu Pride kam und sagte den Leuten dort, dass ich extra wegen ihm aus dem Ruhestand kommen würde. Ich war ein völlig anderer Kämpfer, als bei unserem letzten Aufeinandertreffen. Ich begann dreimal am Tag zu trainieren, arbeitete jeden Tag an meinen Submissions und fand in Leon van Dijk einen hervorragenden Trainingspartner. Nach meinem letzten Kampf gegen Ken blieb ich in 22 weiteren Kämpfen unbesiegt. Am Ende meiner Karriere standen lediglich 3 Punktsiege, 10 KO`s und 15 Siege durch Submission. Und ich habe keinen der 22 Kämpfe nach Ken verloren. Am Ende meiner Karriere hatte ich nur drei DEC, 10 KO und 15 Submissions. Nach meiner letzten Niederlage gegen Ken gewann ich meine nächsten 8 Kämpfe durch Submission (eine war zwar ein Punktsieg gegen Frank, aber ich hab ihn am Boden dominiert). Ich will damit sagen, dass ich mehr Gegner durch Submission als durch KO besiegt habe. Ken lehnte jedoch einen dritten Kampf ab. Ich mag Ken, als Person und als Kämpfer.

Bas, Du hast in Japan und in den USA gekämpft. Kannst du den Unterschied zwischen den Fans beschreiben? Einige deiner Kollegen meinten, dass die Fans in Japan sich gegenüber den Kämpfern respektvoller verhalten. Was ist deine Meinung dazu?

Bas Rutten: Das tun sie, weil sie ganz still sind und kein Wort sagen, außer wenn man jemanden besiegt (KO oder Submission), dann flippen sie aus und danach sind sie wieder ganz still. Sie wissen eben, dass die Kämpfer im Ring die Profis sind und nicht sie. Haha.

Hast Du eigentlich lieber im Ring oder im Oktagon gekämpft? Und wo liegen die Unterschiede?

Bas Rutten: In einem Ring kannst du halt jemanden in eine Ecke drängen, das kannst du in einem Käfig nicht. Mir war das eigentlich immer egal. Kämpfen ist Kämpfen, ich passe mich an.

Nach einem deiner Kämpfe hast du mal öffentlich Rickson Gracie herausgefordert. Rickson ist im BJJ zweifellos eine Legende, aber er hat nie gegen einen Top-Level-MMA-Kämpfer den Beweis angetreten, dass er so gut ist, wie er behauptet. Was denkst du über Rickson Gracie? War er nur eine Art Angeber oder ein echter MMA Kämpfer?

Bas Rutten: Ich hielt ihn immer für großartig, einige meinten sogar, er war der Beste. Deshalb wollte ich mich an ihm beweisen. Ich respektiere ihn sehr, aber zu jener Zeit hatten sie einige Bemerkungen über Pancrase gemacht (er und Royce), so dass ich ihn herausgefordert habe, als er bei einer Veranstaltung war, wo ich kämpfte. Nicht aus Respektlosigkeit, er ist ein toller Kerl, ich bin nur sehr wettbewerbsorientiert, haha .

Als Du 1993 die erste UFC Veranstaltung gesehen hast und wie Gerard Gordeau einen Zahn aus Teila Tulis Mund gekickt hat, was war Dein erster Gedanke? Kannst Du uns erklären, was Dir damals durch den Kopf ging und an welche Eindrücke von jenem Tag Du Dich noch erinnerst?

Bas Rutten: Ich dachte, es sei verrückt und gefährlich und ich würde nicht kämpfen, wenn der Schiedsrichter den Kampf nicht abbrechen darf. Denn wenn ICH KO gehen würde und einen verrückten Typen auf mir hätte, der denkt, es wäre „cool“ mich noch 5 mal zu schlagen während ich bereits bewusstlos bin; ich denke das ist ein wenig gefährlich. Einige Kämpfer sagen: „Ich würde lieber sterben als aufzugeben.“ Ich nicht, mein Freund, ich habe eine Familie, die ich liebe. Ich würde also lieber nicht sterben.

Du warst für einen UFC Schwergewichts-Champ relativ leicht. Wenn du die Heavyweights von heute siehst, wie sie zwischen den Kämpfen mit 280 lbs rumlaufen und sogar Gewicht machen müssen, um auf 265 lbs (HW-limit) zu kommen; glaubst du, du wärst in der Lage gewesen, mit diesen körperlichen Monstern mitzuhalten oder würde der Bas Rutten von 2015 doch eher im LHW bei 205 lbs antreten?

Bas Rutten: Auf jeden Fall bei 205 lbs. Ich habe aktuell 210 lbs und kann essen, was ich möchte. Im Schwergewicht würde ich nicht wieder kämpfen, nein. (lacht) ich bin doch nicht verrückt!

Wer war Dein härtester Gegner?

Bas Rutten: Funaki im Rematch! Gegen ihn musste ich ja meine erste Niederlage einstecken, doch dieses mal war ich ein anderer Kämpfer. Ich begriff die Effektivität von Submissions und begann, Leute per submission zu besiegen. Ich musste ihn ganze dreimal niederschlagen. Er stand immer wieder auf und das Publikum rief seinen Namen und ich dachte: „Was ist denn hier los? Der steht ja immer wieder auf?!“. Dann packte ich ihn an den Haaren und rammte ihm mein Knie in sein Gesicht so hart ich konnte und das war’s dann. Meine Knie und Handflächen waren ganz blau von den Schlägen. Er war wirklich tough.

Ich habe vor geraumer Zeit den Joe Rogan Podcast auf YouTube gesehen, in dem Du die Geschichte von dem Ninja erzählt hast, der in dein Seminar kam. Ich hab mich halb tot gelacht. Kannst Du die Geschichte bitte nochmal für unsere Leser erzählen?

Bas Rutten: Eine Gruppe von sieben Frauen und einem Mann (ihr Meister) nahmen an einem meiner Semiare teil und behaupteten, sie seien Ninjas. Jedes Mal, wenn ich etwas demonstrierte, sagte eines der Mädchen:“Oh, wir würden Sie direkt hier und da beißen.“ Ich hab es ihnen ein paarmal durchgehen lassen, aber sie haben immer weitergemacht.

Ich hatte einen Mann in einem RNC und als ein Mädchen sagte: „Wir würden Ihnen die Augen ausstechen“, fragte ich sie: „Was hast du gesagt?“. Sie sagte: „Wir würden Ihnen die Augen ausstechen“. Ich sagte: „Das ist interessant, wir können das versuchen“. Ich packte sie in einem RNC und sagte zu ihr: „OK, ich werde dich jetzt würgen. Wenn aber einer deiner Finger in die Nähe meiner Augen kommt, werde ich dich nicht erwürgen, sondern dir das Genick brechen, OK? Also dann los!“.

Sie sagte „Warte, was hast du gesagt?“. Also erklärte ich ihr dasselbe nochmal. Sie sagte: “Du willst mir das Genick brechen?” Ich sagte: “Ja, wenn du versuchst, mir die Augen auszustechen, was denkst du denn, was ich dann tun werde? Ich werde dich nicht loslassen, es ist nur Schmerz. Mit dem beschäftige ich mich später, nachdem ich mich um die Person gekümmert habe, die den Schmerz verursacht hat.“

Dann erklärte ich der Klasse, dass man nie jemanden wütend machen sollte, der eine dominante Position über einen selbst hat. Dann wendete ich mich wieder an sie und sagte: „Als ich vor 30 Minuten einen Straight Arm Bar gezeigt habe, sagtest du, du würdest mich direkt hier ins Bein beißen?“ Sie sagte JA. Ich sagte: “Also, wenn ich dich in nem Arm Bar hätte; denkst du wirklich, ich lass dich los, wenn du mich beißt? Natürlich nicht, denn wenn du mich beißt, werde ich dir zuerst den Arm brechen und wenn ich immer noch Schmerzen habe, werde ich noch ein paar mehr Dinge an deinem Körper brechen.“

Dann haben sie es verstanden. In Filmen sehen Sie, wie die Menschen loslassen, wenn jemand sie beißt oder ihnen den Finger ins Auge sticht (in die Augen stechen ist sehr schwierig, wenn Sie Ihre Augenlider fest zusammendrücken und den Kopf hin und her und auf und ab bewegen). Im wirklichen Leben, wenn Ihnen das Adrenalin durch den Körper schießt, fühlen Sie aber weniger Schmerzen. Also kümmern Sie sich zuerst um die Person, die Ihnen das angetan hat und danach um Ihre Schmerzen. Sie müssen als Erstes die Bedrohung beseitigen, sonst kommt sie immer wieder.

Wenn es also eine Situation auf Leben und Tod ist und jemand Sie in einem Choke hat, dann können Sie alles versuchen, auch in die Augen stechen, weil Sie ja eventuell sowieso sterben werden. Aber wenn es eine andere Situation ist, wo jemand Sie einfach nur überwältigen will (wie ein Polizeibeamter oder ein Sicherheitsmann), dann würde ich diese Person nicht wütend machen, wenn er mich in einem Rear Naked Choke hält. Dann wiederum hätte ich andere Möglichkeiten, damit er mich freilässt, er würde mich wahrscheinlich gar nicht erst in einen RNC bekommen, haha.

Bas, eine letzte Frage an Dich: Hast Du eine Nachricht für Deine deutschen Fans?

Bas Rutten: Ich liebe sie. Sie sind großartige Fans. Ich bekomme viele Nachrichten von ihnen auf Facebook und Twitter. Hoffentlich kann mal nach Deutschland kommen und ein Seminar oder so etwas machen.

Godspeed! (Viel Glück)

MMA-Inside und unserem neuen Redakteur Remo könnt ihr ab sofort auf German Fight News folgen.

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