Frank Kortz: Das Interview

In den letzten Tagen ging ein großes Raunen durch die ganze MMA-Welt, als bekannt wurde, dass Frank Kortz am 26. Mai bei M1-Global gegen Nikolay Savilov kämpfen wird. Dabei wurden schwere Anschuldigungen gegen den Hamburger erhoben. Dem wollten wir nachgehen und haben uns die Zeit genommen, um ausführlich mit dem Schwergewicht über die Anschuldigungen und seinen kommenden Kampf zu sprechen. 

GFN: Hallo Frank, schön, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast.

Frank Kortz: Danke euch auch für die Anfrage. Aber ich muss direkt mal sagen, dass ich bis zum heutigen Tag noch kein Interview gegeben habe. Ich habe das immer links liegen lassen, weil die Scheiße die man rum rührt, nie alt und trocken wird. Aber mittlerweile kann ich das nicht mehr unkommentiert lassen.

Du sprichst die ganze negative Berichterstattung in Verbindung mit M1 an?

Ja, die ganze Sache ging einmal um die ganze Welt. Die Amis, die Engländer, alle haben etwas geschrieben. Ich wache morgens auf und bekomme Nachrichten von Leuten, die ich aus Thailand kenne. Die sagen zu mir: „Guck mal, was die über dich schreiben, du musst die verklagen.“ Das ist recht schwierig, aber ich glaube, M1- Global macht da jetzt etwas.

Was wird denn alles erzählt?

Als ich noch beim Team Ardalan war, rief einmal die TAZ bei meinem Trainer an, der übrigens Iraner ist. Ardalan fragte die gleich, was die denn von mir wollen. Da habe ich ihm den Hörer abgenommen und habe auch selbst gefragt. Wir haben dann kurz miteinander gequatscht. Man habe in meiner Freundesliste jede Menge hochkarätige Neonazis gesehen. Ich sagte darauf, dass das meine Freunde sind und wenn er sich meine Freundesliste genauer ansieht, dann sieht er auch, dass da 3000 Leute drin sind und davon auch jede Menge Ausländer. Was soll ich sagen? Ich bin nicht in den besten Verhältnissen groß geworden. Ich habe einfach frei raus geredet und die zitieren mich einfach falsch. Ich bin kein Aussteiger, ich  bin kein Verräter und ich bin auch keine Ratte. Wer damals gut zu mir war, zu dem kann ich doch auch gut sein, oder nicht?! Mir haben die Leute ja nichts getan. Die haben da auf jeden Fall eine abgedrehte Geschichte draus geschrieben, aber ist mir auch egal. Ich weiß ja, wie das läuft. Solche Sachen generieren Klicks und das haben die ja dann geschafft.

BJ Penn hat auch etwas geschrieben. Was sagst du dazu?

BJ Penn kommt mit so einem Scheiß um die Ecke, weil sich sonst keiner mehr für ihn interessiert. Der war mal einer der besten Kämpfer der Welt, aber was der jetzt postet, juckt doch keinen mehr.

Wo trainierst du derzeit?

Ich bin beim Team Baracuda. Davor waren wir beim Team Ismael, aber da kennt man die Geschichte. Dann sind wir zu Ardalan. Der wollte das auch nicht und hat dann ein paar Freunde rausgeworfen, woraufhin wir dann im Kollektiv einfach gegangen sind. Jetzt machen wir so unser eigenes Ding. Wir trainieren auch mit dem Hamburg West Fight Elite Team von Nico Villafane
und eigentlich kann man sagen, dass alle Fighter in Hamburg, die sich aus diesem Gym-Theater rausgezogen haben, weil alle untereinander zerstritten waren, sich gesagt haben, dass sie sich einfach jeden Tag treffen wollen, um Sport zu machen.

Wie kamst du überhaupt zum Kampfsport?

Ich war am Heinrich-Heine-Gymnasium in der Judo-Förderklasse. Die freuen sich bestimmt, dass ich das erwähne (lacht). Ich habe halt von meinem 7.Lebensjahr bis zum 16. Judo gemacht, habe dann aber aufgehört und bin pumpen gegangen. Dann habe ich zwischen 20 und 32 eine sportliche Pause gemacht. In der Zeit habe ich eigentlich nur Scheiße gebaut. Ich bin krank gewesen, Bandscheibenvorfall, Knie kaputt, Knast gesessen und mit 32 hat mich dann ein Freund zum MMA mitgenommen. Da bin ich dann hängen geblieben und habe auf blöd einfach den ersten MMA Kampf angenommen. Das hat dann funktioniert und da bin ich halt geblieben.

Du hast jetzt eine 4-2-0 Pro-Bilanz und bist eigentlich noch nicht so lange dabei. Wie kam es dann zum Angebot von M1-Global, wo du am 26.Mai gegen Nikolay Savilov kämpfen sollst?

Ich habe einen Anruf bekommen und wurde gefragt, ob ich Bock hätte, bei M1 zu kämpfen. Ich habe das erst gar nicht geglaubt, habe dann auch gefragt, ob die sicher mich meinen. Ich habe dann natürlich zugesagt. Das lief über mein Management.

Jetzt hat diese Paarung hohe Wellen geschlagen. Du wurdest als Nazi, Menschenhändler und Rocker beschrieben. Möchtest du was zu diesen Anschuldigungen sagen?

Ich muss das jetzt einfach machen. Ich kann mich nicht hinstellen und sagen, dass das alles nicht stimmt. Das war zu einem gewissen Zeitpunkt alles so. In der rechten Szene war ich zwischen meinem 14. und 20. Lebensjahr unterwegs. Im Jahr 2001 bin ich letztmalig bei einer Demo mitgelaufen. Danach habe ich mich anderweitig orientiert, aber es ist nicht so, dass ich dem Ganzen den Rücken gekehrt habe und gesagt habe, dass alles böse und alles scheiße war. Ich habe aber meine Interessen verlagert, bin dann ins Rotlicht gegangen. 2007 wurde ich verhaftet und 2008 gab es dann ein Sammelverfahren gegen mich. Das ist ganz wichtig, dass man das jetzt versteht. In dem Verfahren wurde ich zu einem Jahr wegen „Menschenhandel zum Zwecke der Arbeitskraft“ verurteilt. Man merkt ja schon an dem Urteil, dass das ein minderschwerer Fall war. Dazu muss man sagen, dass diese Frau, wegen der ich verurteilt wurde, mich niemals angezeigt und niemals gegen mich ausgesagt hat. Wir sind heute immer noch befreundet. Ich weiß nicht, ob du den Paragraphen 181 kennst. Der verbietet halt das Vorschreiben von Arbeitszeiten bei Prostituierten, weil das gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht verstößt. Die Frau, von der hier die Rede ist, war meine feste Frau. Wir waren im Urlaub, haben unser ganzes Geld ausgegeben, sie war 20, ich 25 Jahre alt. Wir kamen dann zurück und am nächsten Tag rief ich sie um 15 Uhr an und fragte sie, warum sie noch im Bett liegt. Wir hatten dann halt eine kurze Diskussion. Das hat der Staatsanwalt als Aufhänger genommen, um eine Anklage gegen mich zu erheben, weil mein Telefon abgehört wurde.

Was kannst du denn zu denn zu den „Nazi-Vorwürfen“ sagen?

Die Antifa weiß, dass diese ganze Sache nicht mehr aktuell ist. Seit meinem ersten Kampf ist Mahmod Faour in meiner Ecke. Wir haben zusammen angefangen. Der fliegt auch mit mir nach Russland, aber das ignorieren die alle, sonst könnten die ja nichts mehr schreiben. Wäre denen doch zu langweilig zu sagen, dass alles Schnee von gestern ist und der hängt jetzt mit dem und dem ab. Die haben halt einfach Bock, Theater zu machen. Man sagt doch, jeder Mensch ändert sich so ca. alle sieben Jahre. So von 14 bis 20 habe ich das gemacht und heute habe ich da einfach kein Interesse mehr dran. Also ich habe keinen Streit mit irgendwem, aber ich habe da einfach keinen Bock mehr drauf. Nach 12 Jahren haben die das Thema dann wieder ausgegraben. Das fing mit der Hype FC an. Ich kenne Vahit Arslan vom Sport her. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Bock hätte, dort zu kämpfen. Ich habe natürlich zugesagt. Der Punktrichter, der dort punkten sollte, ist ein bekennender Anti-Faschist. Wir kommen aus der gleichen Ecke von Deutschland und der kennt mich halt von früher. Der meinte dann, dass er bei mir keinen Punktrichter macht, weil ich ein Nazi sei. Vahit meinte, dass er gar nichts zu bestimmen hätte und er sich einfach einen anderen Kampfrichter bucht, wenn er ein Problem hätte. Daraufhin hat der Kampfrichter auch alle seine Kämpfer, die starten sollten, abgezogen. Wir haben dann vom Team aus gesagt, ok, wir versuchen jeden fehlenden Platz zu ersetzen und haben das dann auch geschafft. Seitdem machen Jan H. und Frank B. Stimmung gegen mich. Das ist scheinbar deren persönliche Lebensaufgabe, obwohl die wissen, dass die lügen. Wenn man sich meine Fotos anschaut, erkennt man doch, dass mein Boxtrainer Albaner, mein Headcoach Libanese und meine Trainingspartner überwiegend Ausländer sind. Das wissen die auch, aber das ist denen einfach scheißegal. Das sind Leute, die schicken 17-jährige Flüchtlinge für einen Appel und ein Ei in den Käfig, damit die sich die Kiefer brechen lassen. Dann stellen die sich ernsthaft hin und zeigen mit den Fingern auf andere Leute?

Wenn dich jemand jetzt fragen würde, ob du ein Neo-Nazi bist, wie würdest du antworten?

Ich würde mit NEIN antworten. Ich trainiere mit vielen Türken, Arabern oder Tschetschenen zusammen. Die sind mindesten genauso patriotisch wie ich. Wenn du Land und Leute liebst, ist Superior Fighting Championshipsdas doch cool. Wenn du aber jemand bist, der andere Länder hasst, dann hast du es einfach nicht richtig verstanden. Nationalismus ist für mich die Freiheit aller Völker, aber auch die Identität aller Völker. Ja, ich habe mit 14 oder 15 Jahren Sachen anders ausgedrückt, aber ich war ein Teenie. Wir hatten halt auch eine Tattoomaschine (lacht). Deswegen sehe ich aus wie ich aussehe. Die Antifa weiß auch, dass viele der Tattoos von damals nicht mehr da sind.

Hast du es durch diese negative Presse schwerer, ordentliche Kämpfe zu bekommen?

Fakt ist auf jeden Fall, dass mir ganz viele Kämpfe abgesagt wurden. Nicht, weil die Veranstalter nicht wollten, sondern weil die Antifa alles und jeden in der Stadt belabert und belagert hat, dass die irgendwann die Schnauze voll hatten und die Leute dann meinten, dass das nicht geht. Die wollten auch deswegen Demos anmelden und so ein Quatsch. Darunter leiden dann auch Freunde von mir, die Veranstalter sind. Die sagen mir dann auch, dass die sich schlechte Presse nicht erlauben können, weil die davon leben. Das verstehe ich natürlich. Ich kann niemandem sein Brot gefährden. Aber andererseits, ich bin jetzt bei M1, also scheiß drauf. Dass ich nicht mehr in die UFC oder zu Bellator komme, war mir auch klar. Aber M1 ist eine Hausnummer und mein Lieblingskämpfer, Fedor Emilianenko, hat das ganze Ding auch geprägt. Das ist das absolute Highlight für mich, vor allem, weil ich mit 32 nur mal aus Spaß in den Ring gestiegen bin.

Wie sieht allgemein deine Kampfvorbereitung aus und bereitest du dich jetzt speziell anders auf diesen Kampf vor?

Ich war zum Jahreswechsel drei Monate in Thailand und habe da zweimal am Tag trainiert. Jetzt bin ich zurück und trainiere weiterhin zweimal am Tag und gehe natürlich ab und zu ein bisschen laufen. Als Schwergewicht ist das ein bisschen schwierig mit dem Training. Wenn du zu viel machst, bist du zu platt, wenn du zu wenig machst, bist du zu träge. Da muss man den Mittelweg finden. Ich trainiere viel mit den „Stroops“, das sind diese Gummibänder, damit ich explosiv und schnell bin. Den Rest muss man dann sehen.

Warum wirst du diesen Kampf gewinnen?

Ich muss! Ein Großteil der Zuschauer will sehen, wie ich aufs Maul kriege. Ich will aber die Leute zwingen, mich zu akzeptieren. Dass die Leute Extremismus ablehnen, ist gut. Die Leute sollen mich akzeptieren, wie ich heute bin. Aber das, was vor 15 Jahren war, sollen die bitte ruhen lassen.

Du bist schon 35. Wie lange willst du noch kämpfen und was willst du erreichen?

Ich kämpfe noch so lange, wie es geht. Bis jetzt bin ich von großen Verletzungen verschont geblieben. Ich habe auch die Zeit und die Geduld dafür. Ich würde auch noch 15 Jahre kämpfen. Nur wenn es dann irgendwann peinlich wird, dann lässt man das bleiben. Es kommen gute Jungs hoch, da muss man dann schauen.

Wir danken dir für deine ehrlichen Worte. Die letzten Worte gehören dir.

Ich beantworte die Fragen nicht, um mich großartig zu rechtfertigen. Aber wenn mir jemand offen und ehrlich eine Frage stellt, dann beantworte ich diese auch. Ich habe als Jugendlicher viel Blödsinn gemacht, aber ich war nie wegen Straftaten mit politischen Hintergrund angeklagt. Die Leute sollen mich jetzt einfach akzeptieren. Ich habe meine Strafen bekommen und ich habe die abgesessen. Ich würde gerne auch noch Leute grüßen. Zu aller erst meine Töchter, meine Familie und Freunde, den Mann und die Frau die mich zurück zum Sport gebracht haben, die Trainingskameraden, die trotz der ganzen Hetze zu mir stehen und einfach alle, die Sympathie für mich empfinden und mich lieben, ich liebe euch zurück!

 Wir wünschen dir viel Erfolg für deine anstehende Aufgabe bei M1.

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