Die UFC, MMA in Deutschland und der Kampf um Professionalität

Die UFC hat für 2017 drei weitere Events in Europa bekanntgegeben – Deutschland ist bekanntlich nicht dabei! Dafür kehrt die Ultimate Fighting Championship nach Glasgow (Schottland) und Rotterdam (Niederlande) zurück. Zudem veranstaltet man erstmals auch in Danzig (Polen) ein Event. Fest standen die Fight Nights in London (18. März) sowie das kommende Event am 28. Mai in Stockholm.

Die UFC reagiert damit auch auf den starken Zuspruch in Schottland und Holland, wo ihre beiden letzten Events schnell ausverkauft waren. Auch die UFC in Krakau war sehr erfolgreich, womit auch Polen völlig nachvollziehbar ist, da in unserem Nachbarland der Zuspruch an MMA gigantisch ist, während in Deutschland in den Medien immer noch von blutigen Käfigkämpfen gesprochen wird und die Szene sich mit einer nur langsam wachsendem Fan Basis begnügen muss.

Die Debüt-Events in den Jahren 2015 und 2016 in Glasgow und Rotterdam waren nicht nur ausverkauft, sondern zählten sogar zu den erfolgreichsten UFC Events überhaupt. Die Entscheidung ist der Kampfsport-Organisation da natürlich leicht gefallen. Auch eine Rückkehr nach Polen ergibt Sinn, wenn man die große Anzahl von UFC Fans bedenkt und sich das fast unerschöpflich wirkende Reservoir an Talenten beim Nachbarn im Osten anschaut. 

„Wir haben jetzt vier Weltmeisterinnen und Weltmeister aus Europa. Berücksichtigt man das exponentielle Wachstum in diesem Markt, dann kann man sich nur darauf freuen, wie die Zukunft des europäischen MMA-Sports aussehen wird“, schrieb die UFC auf ihre eigene Seite.

Wachstum und wirtschaftliche Belange werden also groß geschrieben und sind existenziell in der heutigen Zeit bei großen Wirtschaftsunternehmen,  wie auch der UFC.

Auch wenn die Enttäuschung bei den Fans in Deutschland groß ist, so muss man für die Nichtberücksichtigung andererseits auch Verständnis zeigen.

Unsere internationale Konkurrenz ist uns in allen Belangen meilenweit voraus, wenn es um Mixed Martial Arts geht. Über Großbritannien müssen wir gar nicht nicht mehr philosophieren. Auf der Insel schießt der Sport durch die Decke. In Polen ist MMA längst Volkssport und konkurriert mit Fußball um die Gunst der Fans. Und in den Niederlanden hatte Kampfsport immer schon ein gutes Standing, ist im Land der Tulpen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.  In Deutschland wurde erst Anfang der Neunzigerjahre Boxen salonfähig. Das lag aber stark an der Außendarstellung einer neuen Generation von Athleten und einem Phänomen um einzelnen Persönlichkeiten, wie Boris Becker beim Tennis oder auch Michael Schumacher bei der Formel Eins, die regelrecht einen Boom in ihren Sportarten auslösten. Henry Maske hat mit RTL zusammen einen großen Verdienst an der Popularität von Boxen, der von anderen Athleten bis in die Anfänge der 2000er getragen wurde. 

Aber es ist heute nicht mehr viel übrig geblieben von dem einstigen Glanz. Einige Boxställe sind pleite und der Boxsport aufgrund vieler Skandale fast wieder dort gelandet, wo er einst her kam.

Da ist es auch für eine Sportart wie MMA, die hierzulande als Straßenkampf abgetan wird, natürlich nicht einfach ihren Platz zu finden. Doch schlechte Presse über bekannte Athleten, Organisationen oder auch übermotivierte Auftritte von einzelnen Egoisten, haben ihr übriges getan. Es ist nicht einfach seinem Freundes- und Bekanntenkreis den Sport schmackhaft zu machen, wenn da gerade einer im TV aus der Reihe tanzt und denkt, er würde dem Sport helfen, wenn er zu allen Themen etwas zu sagen hat. Dafür muss man sich seiner selbst erst mal im Klaren sein und erkennen, dass höchstens ein Typ wie einst Henry Maske, der ruhig und sachlich ein anderes Bild vom Boxen verkaufte und sich aus politischen Themen heraushielt, helfen könnte. Den Namen “Sir“ verdiente er sich nicht umsonst.

Der MMA Sport ist zudem nicht reguliert in Deutschland. Dopingproben gibt es kaum und Athleten, die in anderen Ländern Anfänger wären, also Amateure, werden in Deutschland als Profis geführt. Verbände können in Deutschland Sportler nach Fehlverhalten oder Dopingvergehen nicht sperren oder wollen das nicht einmal. 

Zumindest gibt es einen kleinen Silberstreif am Horizont. Die neugegründete GAMMAF lässt mit zuletzt guten Auftritten auf Besserung hoffen. Sie arbeitet stark an der Basis und sucht die Nähe zu Nachwuchsveranstaltungen, Amateuren und versucht den Dialog zu einzelnen Protagonisten herzustellen. Dass auch die GAMMAF hier und da Fehler macht, gerade bei ihrem ersten Gehversuchen keine gute Figur abgab, soll ihr erst einmal verziehen werden, aber sie sollten aus den Fehlern wirklich lernen wollen, z.B. dass man das Feld nicht einzelnen Egomanen überlassen darf und sich ein Wir-Gefühl in der Szene entwickeln muss, um den Sport voranzubringen.

Ob sich die UFC deswegen gegen Deutschland oder für die anderen Länder entschieden hat, wäre reine Spekulation. Es werden einfach die nackten Zahlen sein, auf die das Milliarden-Unternehmen UFC verpflichtet ist zu schauen. Und da haben wir uns in Deutschland mit Blick auf alle vergangenen UFC Fight Nights nicht mit Ruhm bekleckert.

Doch wer seine Hausaufgaben seriös erledigt und gemeinsam den Sport fördert, wird wie bei einem guten Marketingplan Erfolg vorweisen können. Da befindet sich der Deutsche MMA im Moment noch in der Steinzeit. Einen Marketingplan, also eine Struktur, gibt es nicht. Aber es gibt Veranstalter, die mit fragwürdigen Aktionen zwar „hohe“ Zuschauerzahlen erreichen, aber dem Sport insgesamt schaden. Man muss deshalb auch kein Prophet sein, um zu wissen, wer in Deutschland mit TV Verträgen ausgestattet wird und wer nicht. Die GMC und Superior FC sind aktuell die einzigen Events in Deutschland, die internationale Klasse erreichen. Superior glänzte zuletzt mit einem tollen Event in Darmstadt. Beide Organisationen überzeugen mit einer guter Aufmachung und tollen Fightcards.

Da nutzt es anderen Veranstaltern wiederum wenig, dass man einen auf UFC macht, aber keine Qualität den Zuschauern präsentiert. Dem ahnungslosen Fan wird eine Mogelpackung im Premium-Gewand verkauft. Das machen kleinere Organisationen wie beispielsweise AGE OF CAGE oder AGGRELIN deutlich besser. Sie bieten den Fans puren MMA Sport ohne diese große Premium-Versprechen oder dergleichen an.  

Was zuletzt auch negativ auffiel, war die Übertragung von einer deutschen Veranstaltung, die zuletzt über das Streamingportal ran Fighting übertragen wurde. Das Event war sehr gut organisiert und professionell, doch der Kommentator von ran Fighting vermied es immer wieder andere deutsche Organisationen zu nennen, wenn er die Athleten versuchte vorzustellen, die bei anderen Events gekämpft hatten. Er sprach ständig von einem anderen Event, statt die einzelnen deutschen Eventreihen zu nennen, bei denen die Athleten aktiv waren. Es ist sicherlich nicht die Schuld des Kommentators, wenn er seine Vorgaben hatte,  aber zugleich Realität in Deutschland, dass man niemandem etwas gönnen möchte. Wie oft mussten wir früher uns selbst von Veranstaltern anhören, wir sollen in Verbindung mit ihren Events nicht andere Deutsche Veranstaltungsreihen nennen?  

Ein professioneller Umgang untereinander würde sicherlich Früchte tragen, ein verbindlicher Terminkalender, damit es keine Überschneidungen gibt, wäre hilfreich und ein großer runder Tisch zwischen den Verbänden, den Veranstaltern und bekannten Portalen/ Medien sicherlich ein erster Anfang sein, damit in Zukunft Deutschland nicht von der Landkarte des internationalen Mixed Martial Arts verschwindet und man ebenfalls von erfolgreichen Events Made in Germany spricht.

Die UFC kommt sicherlich wieder nach Deutschland zurück,  wenn auch nicht mit der gleichen  Überzeugung wie in Polen,  Schottland oder den Niederlanden, aber wir sind uns sicher, dass Professioneller MMA Sport auch in Deutschland möglich ist.   

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