Cagri Ermis kämpft in Holland gegen Nieky Holzken: “Hoffe auf ein faires Urteil!“

Das erste was Cagri Ermis im Gespräch mit uns sagt: “Ich hoffe auf ein faires Urteil“. Was er damit meint, ist sein kommender Boxkampf gegen Nieky Holzken aus den Niederlanden. Der 33-jährige Wuppertaler hat trotz besserer Angebote sich auf dieses riskante Duell gegen den gleichaltrigen Niederländer eingelassen. Riskant deshalb, da die Veranstaltung am 1. April in Helmond (NL) stattfindet und von Holzkens Seite auf die Beine gestellt wird. Wie in allen seinen bisherigen Boxkämpfen zuvor, wird Holzken auch gegen Ermis in seinem “Wohnzimmer“ im Sportschool Golden Glory kämpfen. Der Niederländer hat dort bisher keinen einzigen Kampf verloren und ging in allen seinen elf Kämpfen als Sieger aus dem Ring.

Und es gibt eine nicht unbedeutende Vorgeschichte zu diesem Duell. Vor fast sieben Jahren traten der Deutsch-Türke und Nieky Holzken in Eindhoven zu einem K1-Kampf gegeneinander an. Der Niederländer war der Favorit und viele erwarteten eine Demonstration seiner Stärke. Doch es kam ganz anders. Der Favorit aus dem Nachbarland mühte sich über 3 Runden zu einem schmeichelhaften Punktsieg ab. Das Urteil war äußerst umstritten, denn Ermis bot dem Favoriten mehr als nur die Stirn, war boxerisch sogar der bessere Mann im Ring.

Und es ist eine Niederlage, an die sich Cagri Ermis sehr genau erinnert. Bei der Punktevergabe fühlte er sich im Jahr 2010 benachteiligt. Auch andere Zeitzeugen bestätigen einen engen Ausgang des Duells, manche sprachen sogar teilweise von Betrug. Doch so weit möchte Ermis gar nicht gehen, sondern meint, dass es ein sehr knappes Ding war, Holzken von seinem Heimvorteil profitieren konnte.

In Deutschland oder auf neutralem Boden wäre die Geschichte damals wahrscheinlich anders ausgegangen“, sagt Ermis.

Als der Wuppertaler anschließend endgültig zum Boxen wechselte, strich er die Niederlage vorerst aus seinem Gedächtnis. Zu verlockend war der Ruf aus dem Boxlager und es war auch die richtige Entscheidung. Der “Rocky von Wuppertal“ ging nach Hamburg und erlebte eine sehr gute Zeit in der Hansestadt. Höhepunkt war sicherlich der Gewinn des WBF Weltmeistertitels im Mittelgewicht. Doch eine langwierige Verletzung stoppte ihn und der Deutsch-Türke musste sich wieder neu orientieren. Er kam zurück in die alte Heimat und fasste den Gedanken, es noch einmal richtig krachen zu lassen. Unter neuem Management und Trainern wurde Ermis Europameister und bestätigte mit einem Sieg gegen Jürgen Doberstein, der als die große deutsche Hoffnung im Mittelgewicht gehandelt wurde, dass er auch mit den Besten mithalten und sie besiegen kann.

Anschließend zeigte Ermis auch gegen Robin Krasniqi einen sehr gute Leistung auf Weltklasseniveau, aber verlor den Kampf umstritten nach Punkten. SAT 1 hatte zuvor den Kampf als Aufzeichnung im Free TV angekündigt, aber zeigte ohne einen Grund zu nennen dann doch keine beweglichen Bilder. Warum wohl?

Ermis richtet nun seinen Blick auf Helmond und hofft auf das Wort seines kommenden Kontrahenten. Die Holländer haben ihm versprochen, fair bleiben zu wollen. Man kann den Routinier gut verstehen, dass er vorsichtig ist. Ermis, der als als nimmermüder Arbeiter von seinen Gegnern gefürchtet wird, erlebte einige Schattenseiten des Geschäfts. Fehlurteile gegen ihn durchziehen auch seine Karriere als Boxer.

Doch trotz immer wiederkehrender negativer Erlebnisse, arbeiten der Boxer und sein serbischer Coach Stevica Ivankovic hart an der nächsten Chance. Wie im Ring, ist Ermis ein ehrlicher Arbeiter, der nicht ans Aufgaben denkt.

Man muss den Hut vor diesem Boxer ziehen, der mit seinem kleinen Team in der harten Boxwelt in Eigenregie gegen fast schon übermächtige große Boxställe ankämpft.

Hätte sich Cagri Ermis einst in Charlie Ehrmann umbenannt, wäre er heute mit einem vermeintlichen deutschen Background vielleicht da, wo ein Robert Stieglitz in seinen besten Jahren stand, nämlich ganz oben.

Doch Authentizität ist dem Familienvater sehr wichtig und er will seinem Sohn nicht irgendwann einmal erklären müssen, dass er seinen Namen geändert und seine Herkunft verleugnet hat, um mehr Geld zu verdienen. Er ist Deutscher mit türkischen Wurzeln und immer schon einer gewesen, der in beiden Kulturen beheimatet ist.

Während jetzt Robin Krasniqi gegen Arthur Abraham in einem Eliminator um eine WM Chance boxen darf, wird sich Ermis gegen Holzken in einem Auswärtskampf in die Höhle des Löwen wagen und versuchen die nächste Chance zu erarbeiteten. Gewinnt der Wuppertaler gegen den Niederländer, kann man nicht mehr am 33-Jährigen vorbeikommen. Er hätte es schon längst verdient gehabt, einen großen Kampf auf deutschen Boden machen zu dürfen.

Wir werden genau nach Holland und auf den Kampf gegen Holzken schauen und hoffen, dass Cagri Ermis mit einem fairen Urteil und dem Sieg zurück nach Deutschland kehrt.

Alles Gute Cagri Ermis

Zur Info: Cagri spricht man fast wie Charlie ohne L aus und nicht Kagri.

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